Versperren Bindungstrauma und ein erlernter unsicherer Bindungsstil den Weg zu einem harmonischen Beziehungsglück, sind häufig ganzheitliche somatische Ansätze notwendig, um die Personen richtig und wirkungsvoll unterstützen zu können.
In meine Praxis kommen immer mehr Menschen, Paare und Eltern, deren Herausforderungen in der Beziehung und im Miteinander neben Konflikten, Missverständnissen und gemeinsamen Herausforderungen deutlich tiefer liegen. Und zwar in der Art und Weise wie sie gelernt haben in Beziehung zu gehen und wie sich ihr “System” in Beziehungen verhält. Mit System ist hier das Gesamtsystem gemeint: Nervensystem, Körper und Verstand, die immer zusammenarbeiten und sich gegenseitig unmittelbar beeinflussen.

Viele Menschen haben bereits einmal oder mehrfach in ihrem Leben Beziehungen als nicht sicher und nicht verlässlich erlebt. Manche sogar, haben noch nie eine sichere, verlässliche Bindung und das Gefühl des Gehalten-seins kennengelernt, da sie es in der frühen Kindheit von ihren engsten Bezugspersonen nicht erfahren haben.
So dass Babys und Kleinkinder Bindungs- und Beziehungssicherheit entwickeln können, bedarf es unter anderem einer Bindungs- und Bedürfnisorientierten Erziehung. In wenigen Worten zusammengefasst bedeutet diese, dass die Elternteile feinfühlig, achtsam und frühzeitig die Signale des Kindes wahrnehmen und jederzeit darauf eingehen. Der Fokus liegt hierbei auf der emotionalen Verbindung zwischen Eltern und Kind, der Anerkennung der Bedürfnisse und Gefühle sowie insbesondere dem Begleiten durch für das Kind noch nicht regulierbare Emotionen, welches die Grundvoraussetzung dafür ist, dass ein Kleinkind Fähigkeiten zur Selbstregulation entwickelt.
Urvertrauen und Beziehungsfähigkeit werden in den ersten Lebensjahren maßgeblich beeinflusst
Wenn Babys sich gesehen und gehört fühlen und erfahren, dass ihre Bedürfnisse ernstgenommen und gestillt werden, entsteht Vertrauen. Zunächst einmal in die jeweilige Beziehung – zwischen Elternteil und Kind – dann entwickeln sie weitergehend auch Vertrauen in Beziehungen zu anderen Menschen.
Die kleinen Menschen erleben hierdurch ein tiefes Gefühl der Sicherheit und Verbindung, welches im Nervensystem verankert ist und sie lehrt, dass die Welt um sie herum freundlich, Herausforderungen zu bewältigen sowie Beziehungen grundsätzlich etwas Erstrebenswertes und Sicheres sind. Dieses Gefühl verstärkt und integriert sich durch erfolgreiche und wiederholte Co-Regulation – der Prozess, bei dem eine regulierte Person durch Präsenz und emotionale Resonanz einer anderen hilft, sein oder ihr erregtes Nervensystem zu beruhigen und wieder in ein emotionales Gleichgewicht zu finden.
Das Gefühl der emotionalen Sicherheit und Fähigkeiten der emotionalen Selbstregulation basieren auf diesen erfolgreichen Erlebnissen auf Basis des autonomen Nervensystems im Kleinkindalter und stellen gleichzeitig die wichtigsten Pfeiler einer gelingenden Beziehung sowie auch konstruktiven Konfliktverhaltens dar.
Menschen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu regulieren oder sogar in einer Überlebensreaktion des autonomen Nervensystems stecken (eine Folge, wenn das Nervensystem der Person sich innerhalb von Beziehungen nicht sicher fühlen kann und deswegen immer im Alarmmodus (Fight or Flight) läuft) fehlt es an Fähigkeiten und vor allem Möglichkeiten in herausfordernden Beziehungskonflikten.

Es ist absolut keine Absicht, dass sie so handeln wie sie handeln oder sich abweisend, reaktiv oder verteidigend verhalten. Sondern es ist weitaus tiefer zu betrachten: es ist ihr Nervensystem, dass sie schützt, Verbindung (teilweise) verhindert oder Nähe nicht zulässt – weil es negative Erfahrungen gemacht und fest implementiert hat.
Dies ist unbedingt zu berücksichtigen und je nach Ausprägung in somatischen Einzelsitzungen zuerst zu lösen und zu heilen, so dass langfristige Veränderungsprozesse und glückliche Beziehungen wieder möglich werden.
Mehr zu somatischem Coaching und den großartigen, möglichen Veränderungen dadurch erfährst du hier.